Ich habe mir die Deutsche Uhrenmanufaktur Glashütte (DUG) Prurist Typ 2 in Mondweiß und 40mm im Mai in Prag gekauft und will heute nach gut vier Monaten Dauernutzung am Handgelenk meine Eindrücke mit euch teilen. Seitdem habe ich die DUG fast jeden zweiten Tag im Durchschnitt getragen und somit mehr als jede andere Uhr in meiner Kollektion und kann gleich zu Beginn sagen, dass die Uhr definitiv Teil meiner Sammlung bleiben wird.



Ich weiß noch, dass ich die Uhr irgendwann vor über einem Jahr gesehen und direkt meiner Partnerin geschickt habe und nicht ganz glauben konnte, dass eine echte Uhr aus Glashütte mit so einem klaren, klassischen und dennoch robusten und modernen Design für den Preis verkauft wird. Das muss irgendwann Anfang 2025 gewesen sein, also kurz nach DUGs Markteintritt im Dezember 2024. Meine Partnerin und ich mögen beide klassische Uhren, haben beide Uhren von Nomos und Junghans, bewundern die Uhren von A. Lange & Söhne und auch unsere Omegas sind eher klassische Designs. Da passt die DUG wunderbar rein, aber ich war auch durchaus skeptisch, ob für den Preis die Qualität stimmt und wollte sie erstmal am Handgelenk fühlen. Das Problem war nur, dass die Deutsche Uhrenmanufaktur Glashütte auf Direktvertrieb setzt, also nicht klassisch über Uhrengeschäfte und Juweliere verkauft. Es hat dementsprechend einige Zeit gebraucht, bis ich die Chance sie anzuprobieren, bei Infinityywatches, einem Laden in Prag, der auf Microbrands spezialisiert ist.
Und dort habe ich mich direkt in die Uhr verliebt und sie auch gekauft. Das war keine einfache Entscheidung, da ich mir fest vorgenommen hatte, nur eine Uhr in Prag zu kaufen, aber Infinitywatches führt einige Uhren von Echo/Neutra, Baltic, Brew etc., die ich schon länger im Blick hatte. Aber als ich die Purist angelegt bekommen habe, wusste ich sofort, dass sie meine nächste Alltagsuhr wird.
DUG Purist in Zahlen
Soweit zur Vorgeschichte, jetzt schauen wir aber erstmal auf die Specs der Uhr. DUG, obwohl noch ganz neu am Markt und mit der Purist in verschiedenen Ausführungen nur mit einem Modell bisher, ist Glashütte zertifiziert oder hat das Glashütte-Herkunftssiegel. Aber um die geschützte Auszeichnung zu bekommen, muss mindestens 50% der Wertschöpfung der Uhr in Glashütte selbst stattfinden. Es gibt noch ein paar weitere Besonderheiten, die ihr in bestem Beamtendeutsch beim Zoll nachlesen könnt, wenn ihr wollt. Für mich wichtig ist dabei nur, dass es eben keine chinesische Uhr mit deutschem Design ist. Das ist nicht despektierlich gemeint, ich habe mit der Galo Novo Cruisin ja erst vor kurzem eine Uhr gekauft, die genau das ist. Aber für das, was ich von der DUG wollte, sollte es schon etwas verlässlichere Qualität sein und das ist definitiv bei den Uhren von DUG gegeben.
DUG Purist Typ 2
Gehäuse: Edelstahl
Zifferblatt-Farben: Schwarz, Weiß, Blau, Braun, Grau, Rot
Saphirglas & Saphirglasboden
Swiss Super-LumiNova® BG W9
Wasserdicht: 100m
Preis: 1299 – 1499 Euro
Durchmesser: 40mm
Höhe: 10.95mm
Lug-to-lug: 47.5mm
Uhrwerk: Automatikwerk DUG 400, auf Basis des Sellita SW 400
Datum: verfügbar, aber meine ist ohne
Besonders faszinierend finde ich das sandig strukturierte Zifferblatt in Kombination mit den applizierten Indizes/arabischen Zahlen. Aus der Ferne ist es einfach eine recht ruhige klassische Uhr mit weißem Zifferblatt, aber bei näherem Betrachten machen die Struktur, die erhobenen Stunden und das eingelassene Logo echt was her. Der schwarze Ring mit den Minuten außen gibt der Uhr zudem noch ein sportliches Aussehen und macht sie sehr einfach zu lesen, was mir nicht immer wichtig ist, aber bei meiner Alltagsuhr schon sehr. Ein bisschen witzig finde ich, dass durch die kleine Wölbung des Saphirglases der schwarze Ring häufig blau aussieht, weshalb ich die Uhr gar nicht so selten mit einem navy-blauen Lederarmband trage.
Ich habe recht lange überlegt, welche Farbe ich nehmen soll, gerade die Entscheidung zwischen Schwarz und Weiß fiel mir wirklich schwer, weil beides so gut aussieht. Aber am liebsten hätte ich ein durchgängig blaues Zifferblatt gehabt, ich bin einfach kein Fan dieses Übergangs zu den schwarzen Rändern, egal bei welcher Farbe. Das ist in Realität zwar deutlich weniger auffällig als auf den Rendern auf der Webseite der DUG, aber ein durchgängig blaues Zifferblatt hätte mir die Entscheidung noch schneller abgenommen. Das liegt aber vor allem daran, dass ich mit der Nomos Neomatik 39 schon eine recht ähnliche weiße Uhr habe und nur eine blaue Uhr, die mir aber zu groß ist und die ich absehbar mal verkaufen muss.
Die DUG Purist ist ein Strap-Monster
Überhaupt ist die Uhr wirklich ein Strap-Monster, also eine Uhr, die sowohl am Stahlarmband, als auch an fast allen Arten von Leder-, Stoff-, Alcantara- und Kautschuk-Uhrenarmbändern gut und vor allem passend aussieht. Ich trage meine Purist meist mit einem hellbraunen Wildlederband, aber eben auch mit einem klassischen schwarzen Kalbslederband, bisweilen mit navy-blauen Nubukleder und wenn ich schwimmen gehe, oder es insgesamt etwas sportlicher und robuster möchte, entweder am Stahlband oder an einem schwarzen Kautschukband. Schaut es euch selbst an in der Galerie, kaum eine Kombination sieht nicht toll aus.






Es ist natürlich auch einfach eine Eigenart von weißen bzw. hellen Uhren, dass sie fast mit jedem Armband gut aussehen, aber bei der DUG Purist sieht man an den sechs Beispielen, wie sportlich und wie klassisch sie zugleich sein kann. Wenn ihr euch für die blaue oder rote Version entscheidet, dann würde grün natürlich nicht so gut aussehen, aber dafür eben vielleicht ein eisblaues oder burgunderrotes Armband.
Stahlband der DUG Purist
Ich mag das Stahlband, das man für einen Aufpreis von 100 Euro bekommt, auch wirklich, mit einer Einschränkung. Das Armband ist prinzipiell am Stil der Patek Philippe Nautilus angelehnt und ich mag die kleinen polierten Bubbles. Ich verstehe nur nicht ganz, warum die Bubble poliert sind und der Rest des Armbands gebürstet ist. Prinzipiell sieht das sehr gut aus, aber so liegt das gebürstete Ende direkt am polierten Gehäuse. Ich bin mir aber auch nicht ganz sicher, ob es andersherum besser aussehen würde, aufgefallen ist es mir aber doch. Das Armband hat auch eine dreistellige Feinjustierung, was ja mittlerweile zum Glück immer mehr zum Standard wird, mit der man das Stahlband in der Größe verändern kann, wenn im Laufe des Tages das Handgelenk etwas dicker oder dünner wird. Das ist gerade jetzt im Herbst sehr praktisch, wenn man häufig zwischen warm und kalt hin und her wechseln muss. Das Schnellwechselsystem ist auch sehr praktisch, da ich häufig zwischen Leder und Stahl variiere. Einziger Kritikpunkt von mir an dem Armband ist die Schließe selbst. Sie ist recht groß und klingt recht blechern und dadurch weniger wertig als der Rest der Uhr und des Armbands. Da würde ich mir für die Zukunft etwas Besseres wünschen, selbst wenn dadurch das Armband teurer würde. Entweder eine Schmetterlingsschließe oder eine kleine Faltschließe. Durch die Größe und das Material ist es wirklich nicht so toll wie der Rest der Uhr, und gerade am Laptop kratze ich damit auch die ganze Zeit über den Tisch, weshalb ich dann eigentlich immer ein Lederband dran habe.
Gehäuse der DUG Purist
Aber genug zum Design, das gefällt mir richtig gut, aber wie ist es denn mit Wertigkeit, wie genau läuft die Uhr und was kann man alles mit ihr anstellen? Ich habe mir die Uhr als Gada (go everywhere, do anything) oder einfach als Alltagsuhr gekauft. Sie soll also stabil sein, nicht zu schwer, aber schon präsent. Und genau das ist die Purist für mein Handgelenk. 40mm ist mir persönlich eigentlich etwas zu groß und ein Lug-to-Lug von über 47mm ebenso. Ein Grund, warum ich die Uhr nicht bestellt habe, sondern sie erstmal in Prag anprobieren wollte. Aber durch die gebogenen Hörner, liegt die Uhr auf meinem 16.5cm Handgelenk perfekt auf und fühlt sich genauso an wie meine Omega CK859, die mit 39mm und 46.2mm meine persönliche Referenz ist für die perfekte Größe von Uhren, die ich hauptsächlich am Lederband tragen möchte. Aber die Omega ist etwas gerader und deshalb sitzt die Purist genauso gut. Ich hätte mir gern auch die neue 37mm Version der Purist angesehen, aber die ist erst ein paar Monate später erschienen.
Das Gehäuse fühlt sich wirklich wertig an und mir gefällt vor allem die Mischung aus polierter Oberseite und Lünette und dem gebürsteten Seiten. Und obwohl ich die Uhr jetzt schon fast ein halbes Jahr trage, sie beim Wandern, Schwimmen, am Laptop, beim Feiern im Club, in diversen Bars und Cafés dauernd im Einsatz hatte, sieht sie noch aus wie neu. Auf der Rückseite habe ich natürlich durch die vielen Bandwechsel und meine zwei linken Hände schon einige Kratzer reingemacht, aber genau das zeigt mir auch, wie gut das Gehäuse verarbeitet ist. Oben keine Kratzer und unten sehen die Kratzer einfach nur aus, wie eine Uhr, die benutzt wurde. So stelle ich mir das vor. Das Saphirglas hat auch noch nichtmal einen Mikrokratzer, aber das habe ich auch genauso erwartet. Moderne Saphirgläser sind schon wirklich robust und das ist bei der Purist nicht anders als bei anderen Microbrand-Uhren.
Uhrwerk der DUG Purist
Fangen wir mit dem sichtbaren Teil an. Das Werk der Purist ist wirklich schön anzusehen und durch den Saphirglasboden des Gehäuses kann es auch immer bewundert werden, wenn die Uhr nicht gerade am Handgelenk tickt. Das Highlight ist natürlich der vergoldete Rotor des Automatikwerks, aber auch die Glashütter Perlage sieht wirklich schön aus. Natürlich ist das Werk nicht verziert wie eine Nomos oder Omega, aber man sieht die Liebe zum Detail der Deutschen Uhrenmanufaktur Glashütte. Die blauen Schrauben, die sehr gut gewählte Mischung aus goldenen und silbernen Zahnrädern und die Perlage passen schon wirklich gut zusammen. Mir gefällt auch, dass das Werk einfach ein gutes, solides Werk ist und nicht so tun möchte, als wäre es mehr als das. Es gibt mittlerweile so viele Werke, die auch eigentlich nur solide gute Werke sind, aber durch die Verzierung so tun wollen, als wären sie High-End-Luxus. DUG verzichtet auf zu viel Schnickschnack und verziert nur, was tatsächlich auch eine Funktion hat und das gefällt mir deutlich mehr, als zwar hübsche aber auch eher sinnlose weitere Teile in meinem Uhrwerk zu haben.
Das Werk selbst ist ein Sellita SW 200 mit einer Gangreserve von 40 Stunden. Nichts Besonderes, aber ein sehr verlässliches und einfach zu wartendes Werk und vor allem nicht so nervig laut wie viele Miyota 9039 Werken, die in so vielen günstigeren Microbrand-Uhren verbaut sind. Die Uhr läuft bei mir auch wirklich gut, ich kann kaum eine Abweichung feststellen. Aber da ich meine Uhren recht häufig wechsle und selten mehrere Tage am Stück trage, ist mir Ganggenauigkeit auch nicht so wichtig, solange ich grob die richtige Minute angezeigt bekomme, und da habe ich keinerlei Probleme bei der Purist festgestellt.
Ich finde es ja wirklich wichtig, wie sich ein Werk beim Zeiteinstellen anfühlt. Es darf nicht zu einfach gehen, ein wenig Widerstand finde ich sehr wichtig, aber natürlich soll es auch kein Krafttraining benötigen, um die Uhr zu stellen. Und die Purist findet da ein sehr schönes Mittelmaß, nicht zu leicht und nicht zu schwer. Da ich die Uhr ohne Datum genommen habe, kann ich nichts dazu sagen, aber ich finde es beruhigend zu wissen, dass das Werk kein Ghostdial hat, also eine ungenutzte Datumsscheibe – eine Sache weniger, die kaputtgehen kann. Die Krone ist etwas größer als man es gewohnt ist, was wunderbar zum Design passt und dadurch kann man sie auch etwas leichter rausziehen. Ich verzweifle bisweilen an einigen meiner Uhrenkronen, da ich immer sehr kurze Fingernägel habe, aber das ist kein Problem für den Puristen. Das Design der Krone erinnert mich ein wenig an die Big-Crown Serie von Oris, die ich auch richtig gut finde.
Lume und Wasserdichtigkeit der DUG Purist
Ich bin kein Lume-Fanatiker und erst Reddit hat mir gezeigt, dass es diese überhaupt gibt. Solange die Uhr auch in der Dämmerung noch etwas zu lesen ist, bin ich fein damit. Die Purist benutzt die Swiss Super-LumiNova® BG W9, mit der Tagesfarbe weiß und Nachleuchteffekt blau-grün. Das sieht sehr schön aus, aber ich muss schon auch sagen, dass nahezu alle meine Uhren länger leuchten als die DUG. Ich habe nachgefragt und die Leuchtfarbe, die die Purist benutzt, ist die “ beste normale Superluminova“. Ich frage mich, ob meine Purist da nur etwas hinterherhinkt oder warum selbst meine Seiko deutlich länger am Abend leuchtet. Aber wirklich wichtig ist mir das auch nicht und die Farbe selbst ist wirklich schön, nur etwas schnell vorbei.
Die Purist ist mit 100m Wasserdichtigkeit angegeben und das war mir auch wichtig für eine Uhr, die ich eigentlich überall anziehen möchte. Aber die Krone ist leider nicht verschraubbar. Ich habe da etwas rumgefragt, mich eingelesen und hätte nicht erwartet, dass es dazu so viele Meinungen gibt. Wenn ich das richtig verstanden habe, trägt die Verschraubbarkeit der Krone selbst nicht oder verschwindend gering zur Wasserdichtigkeit bei. Eine verschraubte Krone bleibt nur unter Wasser auch verschraubt und eine nicht verschraubte Krone selbst ist erstmal keine Gefahr, dass Wasser ins Gehäuse eindringt, sondern nur, wenn man aus Versehen die Krone unter Wasser rausziehen würde. Wenn ich im Sommer einfach in den See springe, habe ich wenig Bedenken und denke nicht, dass mir irgendwie die Krone der DUG aufgehen könnte, beim Schnorcheln oder beim Sportschwimmen hätte ich schon etwas mehr Bedenken. Grundsätzlich hätte ich mir gewünscht, dass die Krone verschraubbar ist, und sei es nur für die Beruhigung meiner Nerven.
Mein Fazit zur DUG Purist
Ich mag die Uhr sehr und denke nicht, dass sie absehbar meine Sammlung und mein Handgelenk verlassen wird. Im November werde ich die 37mm Variante ausprobieren und wenn die sich sehr viel besser anfühlt, eventuell von 40 auf 37 wechseln, aber da die 40er sich so gut anfühlt, denke ich nicht mal das. Ich mag das Design, die Wertigkeit und die Vielseitigkeit der Purist einfach so sehr. Sie funktioniert für mich sowohl mit T-Shirt und Shorts, als auch mit Hipsterlook oder mit Hemd und Jackett. Die Uhr ist bequem, sie macht was her, ist dabei aber auch zurückhaltend und nicht überpräsent, obwohl sie eigentlich größer ist, als fast alle anderen Uhren, die ich trage.
Die Deutsche Uhrenmanufaktur Glashütte hat meiner Meinung nach mit der Purist eine großartige Uhr auf den Markt gebracht, die eine Lücke in der deutschen Uhrenlandschaft schließt. Irgendwo zwischen Junghans und Nomos gibt es jetzt eine weitere qualitativ wirklich hochwertige Uhr, die zwar gutes Geld kostet, aber im Vergleich doch noch wirklich preiswert und für viele erschwinglich sein sollte. Dafür bekommt man das Beste aus deutschem Handwerk und Schweizer Uhrwerk in einem Design, das mich persönlich begeistert. Und deshalb trage ich die Uhr gerade mehr als jede andere Uhr.
So viel zu meinem Eindruck der Uhr. Wenn euch interessiert, was andere dazu sagen, dann empfehle ich das Spiegel-Interview mit dem DUG Gründer Toni, die Reviews von Ablogtowatch und Monochrome Watches (letztere beide in Englisch).


Schreibe einen Kommentar